Die Qualität des Fragens. Über Empathie im Umgang mit chronischem Leiden.

„Daher können wir sagen, dass auf einer somatischen, einer psychischen und einer sozialen Ebene ständig Beziehungsfäden gesponnen und miteinander verwoben werden müssen, wenn Gesundheit erzeugt und Krankheit abgewehrt werden soll….Therapie heisst Antworten geben, die dem Patienten zeigen, dass die Zeichen, die er auf einer körperlichen, psychischen oder sozialen Ebene sendet, verstanden werden und ihn in die Lage versetzen, seine Wirklichkeit in zunehmendem Masse salutogenetisch zu gestalten.“

Thure von Uexküll


I. Einführende Bemerkungen


Interessant, aber auch tragisch ist, dass von all unseren PatientInnen es ausgerechnet diejenigen mit „somatoformen Störungen“ sind, die sich am wenigsten verstanden, am meisten allein gelassen fühlen. Und auch wir, ihre behandelnden ÄrztInnen und TherapeutInnen, fühlen uns im Umgang mit ihnen oft (mehr als bei anderen) genervt, hilflos, überfordert. Wenn wir uns trauen, sagen wir in der Supervision: „Wir würden ihnen ja gerne helfen, sie gut behandeln, Erfolge sehen. Aber …. es ist so schwierig. Kann man denn immer etwas haben? Können denn die nicht mal über etwas anderes reden?“ Auf der Beliebtheitsskala rangieren SchmerzpatientInnen weit unten. In den Selbsthilfegruppen sagen sie dann aber: „Meint Ihr denn nicht, wir würden auch gern mal über etwas anderes reden, uns mehr bewegen, lachen? Aber versetzt Euch mal in unsere Lage! Wie würde es Euch denn gehen?“ Eine berechtigte Frage, mit der wir uns noch beschäftigen werden.

Viele SchmerzpatientInnen und ihre Behandelnden geraten nach kurzer Zeit in eine Sackgasse. Etwas geht nicht mehr vorwärts. Prozesse stoppen respektive werden unverändert weiter getragen. Bewegungen, die es notwendigerweise für Veränderungsprozesse braucht, finden nicht mehr statt. Das ganze Beziehungsgeflecht, das „Zwischen“ (zwischen PatientIn und Symptom; zwischen PatientIn und Mitwelt; zwischen uns und ihnen; in unserem Selbstbezug) ist erstarrt, kann nicht mehr genügend verstanden werden, ist stecken geblieben in Einseitigkeiten und Wiederholungen. …

Christiane Geiser

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